Das Thema Klimawandel bewegt viele Menschen in Österreich bereits seit langem. Die Auswirkungen auf den Alltag der Menschen auf Bergen und in Tälern, am Land und in Städten sind deutlich spürbar. Darüberhinaus hat der Klimawandel Auswirkungen auf Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, Tourismus, Elektrizitätswirtschaft, Heizen und Kühlen (Gebäude), Gesundheit, Ökosysteme und Biodiversität, Verkehrsinfrastruktur, Handel und Fertigung, Stadt und Raumordnung, Naturgefahren und Katastrophenmanagement

Die Kosten für Schäden schnellen in die Höhe. Die wetter- und klimabedingten Schäden belaufen sich bereits heute in Österreich auf jährlich durchschnittlich rund € 1 Mrd. Wird nicht gegengesteuert, wird er bis 2050 Schäden in einer Höhe von bis zu 8,8 Milliarden Euro jährlich verursachen – laut Projekt COIN (COst of INaction) von CCCA. (s. unterhalb mehr Details).

Die Lebensqualität und die Gesundheit von Menschen in Österreich wird immer öfter massiv beeinträchtigt. Es ist dringender denn ja, mit politischen Rahmenbedingungen gegenzusteuern und international Vorreiter zu werden im Klimaschutz.

Dazu haben wir aktuelle Zitate von ExpertInnen, PolitikerInnen und Ergebnisse aus Studien zusammengestellt:


Präsident Katholische Aktion Österreich Leopold Wimmer, 17.12. 2018

Eine ökosoziale Neugestaltung des Steuersystems erhöht die Steuern auf jene Energieformen, die für die Erwärmung des Weltklimas verantwortlich sind. Zugleich hat sie dafür zu sorgen, dass die für den Einzelnen höheren Energiekosten den Bürgern durch einen Öko-Bonus wieder rückerstattet werden.

In dem Modell, für das wir uns einsetzen, soll dies zum einen durch Direktzahlung des Öko-Bonus an jeden Bürger erfolgen, was vor allem Menschen, die wenig Energie verbrauchen – das sind meistens jene mit niedrigem Einkommen – spürbar entlastet. Ein weiterer Teil der Mehreinnahmen aus Ökosteuern solle für die Förderung von Energiesparmaßnahmen und für eine Senkung der Einkommenssteuer verwendet werden. Auch gelte es, umweltschädliche Subventionen zu streichen.


Bundespräsident Van der Bellen, ORF Report, 4.Dez 2018

Frage von ORF: Muss es ihrer Ansicht nach Ökosteuern geben, um auch hier in Österreich etwas bewirken zu können?
Antwort: Sicher: im Rahmen der Steuerreform wird es auch hier darauf ankommen, die richtigen Signale zu setzen. Das ist ja nicht neu, das gibt es in anderen Ländern auch. Je mehr wir die Steuern auf Arbeit senken wollen, das finde ich richtig und wichtig, desto mehr wird es darauf ankommen, in anderen Sektoren die entsprechenden Anreize für Verhaltensänderungen zu setzen.


UN Secretary-General António Guterres, UN Climate Conference, Katowice, Poland, 3 Dec 2018

We need a complete transformation of our global energy economy, as well as how we manage land and forest resources. We need to embrace low-carbon, climate-resilient sustainable development. (…) Cities, regions, civil society and the business community around the world are moving ahead. What we need is political more will and more far-sighted leadership. This is the challenge on which this generation’s leaders will be judged. Climate action is not just the right thing to do – it makes social and economic sense. Meeting the goals of the Paris Agreement would reduce air pollution – saving more than a million lives each year by 2030, according to the World Health Organization. According to the recent New Climate Economy report, ambitious climate action could yield 65 million jobs and a direct economic gain of $26 trillion US dollars compared to business as usual over the next 12 years. We are seeing early signs of this economic transformation, but we are nowhere near where we need to be. The transition to a low-carbon economy needs political impetus from the highest levels. And it requires inclusivity, because everyone is affected by climate change. That is the message of the Talanoa Dialogue. We need a full-scale mobilization of young people.


Grundsatzprogramm der SPÖ Leitantrag 1 vom 24.Nov 2018

„Aber angesichts des Klimawandels ist klar, dass dem Erhalt unserer Lebensgrundlagen – auch als Grundlage der sozialen Gerechtigkeit – die höchste Priorität zukommen muss. (…) Das heißt, dass nationalstaatliche oder regionale klimapolitische Maßnahmen sinnvoll sind. Wir wollen nicht nur auf EU-Ebene, sondern auch für die Nationalstaaten klare Ziele zur Verbesserung der Energieeffizienz, zum Ausbau erneuerbarer Energieformen und zur CO2-Reduktion. Österreich soll sich hier an die Spitze stellen und bis 2040 CO2-neutral werden. Zum Schutz der Umwelt sollten zudem umweltfreundliche Technologien stärker gefördert und umweltschädliche Technologien stärker besteuert werden (…) Die Klimakatastrophe hinzunehmen ist nicht nur aus ökologischen Gründen fatal, sondern auch eine soziale Ungerechtigkeit. (…) Globale Verantwortung erfordert lokales Handeln. Die Klimaerhitzung wird gerne als globales Phänomen verstanden, das eine ebenso globale Lösung verlangt. Ein solches Verständnis bietet auch eine billige Ausrede, nationale Anstrengungen zu unterlassen und sich auf fehlende internationale Kooperation herauszureden. Dabei sind Treibhausgasemissionen, die hauptverantwortlich
für den Klimawandel sind, zu einem großen Teil auch für lokale Umweltprobleme verantwortlich. (…) Wir bekennen uns zum Vorsorgeprinzip, wonach neue Technologien erst dann zur Anwendung kommen dürfen, wenn ihre grundsätzliche Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit nachgewiesen ist.“

Univ. Prof. Bernd Lötsch: Klima-
kontroversen
(2017)

„Fossiler Kohlenstoff in Kohle, Erdöl und Gas, den zu akkumulieren die Biosphäre Jahrmillionen pflanzlicher Photosynthese gebraucht hat, wird – in einem weltumspannenden Feuerwerk sondergleichen – innerhalb weniger Jahrzehnte in die Luft gejagt, überlastet den Kohlenstoffkreislauf, überwärmt die Atmosphäre samt den Weltmeeren und schafft die Verelendung heranwachsender Generationen in zunehmend unfruchtbar und unbewohnbar werdenden Regionen der Erde.“


Josef Riegler,
Ex-Agrarminister,
Ex-ÖVP Chef und Vizekanzler, Nov. 2018

„Eine ökosoziale Steuerreform wäre der entscheidende Hebel für den Umbau der Wirtschaft. Da geht es nicht um neue Belastungen, sondern darum, aufkommensneutral umzuschichten – weg von den hohen Steuern auf Arbeit, hin zu Steuern auf Umweltverbrauch und CO2. (…) Der Klimawandel wird nach wie vor unterschätzt. Man übersieht, dass es dort nicht um eine politische Diskussion und um die Suche nach Kompromissen geht. Sondern dort wirken Naturgesetze. Mit der Natur kann man nicht feilschen. Wenn ich soundsoviel Erwärmung verursache, dann gibt es zusätzliche Verdunstung. Und dann kommen Hurrikans, Taifune und Wolkenbrüche. (…)

Insgesamt ist es ein riesiges Problem der Verdrängung. Ein Teil verdrängt es bewusst aus Eigeninteresse unter dem Motto: die paar Jahre, wo ich Verantwortung trage, betrifft es uns nicht. Beim anderen Teil ist es Uneinsichtigkeit.“

(Aus einem Artikel zum 80. Geburtstag in der Kleinen Zeitung am 1. 11. 2018)


Ergebnisse aus dem interdisziplinären Projekt COIN

„Die Klimaerwärmung ist schon beobachtbar, die Temperatur ist in Österreich im Jahresmittel seit 1880 um knapp 2 Grad gestiegen. Die wetter- und klimabedingten Schäden belaufen sich damit bereits heute in Österreich auf jährlich durchschnittlich rund € 1 Mrd. Diese Zahl berücksichtigt nur bedeutende Naturkatastrophen sowie hitzebedingt-frühzeitige Todesfälle. Diese Schäden werden weiter steigen, insbesondere wenn es nicht zu signifikanten Emissionsreduktionen kommen sollte. Das Projekt COIN zeigt, dass die gesellschaftlichen Schäden – zunächst für ein mittleres Klimawandelszenario, bis zur Jahrhundertmitte – auf durchschnittlich jährlich € 4,2 Mrd. bis € 5,2 Mrd. (heutiges Preisniveau) steigen werden. (…)

Die bisher genannten Schadenszahlen beziehen sich zudem jeweils nur auf den jährlichen Mittelwert. Gesellschaftlich relevant ist jedoch nicht nur dieser Mittelwert aus möglichen Schadensszenarien, sondern auch in welcher Häufigkeit und Intensität Extremereignisse auftreten können. Die Ergebnisse aus COIN zeigen dies für drei Beispiele:

Ein 100-jährliches Hochwasser wird zur Mitte des Jahrhunderts allein zu Gebäudeschäden in Höhe von € 4 bis € 7 Mrd. führen, zum Ende des Jahrhunderts in Höhe von € 8 bis € 41 Mrd. (ein 20-jährliches dann zu Gebäudeschäden in Höhe von € 3 bis € 16 Mrd., heutiges Preisniveau), je nach gewähltem Klima- und sozioökonomischen Szenario (nur direkte Schadenskosten wie Wertverluste und Reparatur, jedoch noch ohne Berücksichtigung von volkswirtschaftlichen Folgeschäden).

Hitzewellen, wie sie bereits zur Mitte des Jahrhunderts im Schnitt alle 20 Jahre auftreten, erhöhen die dadurch ausgelösten Todeszahlen dann auf 6000 bis 9000 Dürreperioden, wie sie zur Mitte des Jahrhunderts bereits jedes vierte Jahr auftreten, verursachen allein in der Landwirtschaft Produktionsausfälle in Höhe von rund € 56 Millionen.“

(Ergebnisse aus dem interdisziplinären Projekt COIN (Cost of Inaction – Assessing Costs of Climate Change for Austria), das ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels für Österreich evaluierte. Projektleitung und Koordination: Prof. Dr. Karl Steininger, Universität Graz, Institut für Volkswirtschaftslehre und Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, Leiter der Forschungsgruppe Economics of Climate Change)

Interessante Links

Klimainterviews zu div. Themen (ca 1-2 Minuten) von KlimaforscherInnen

Fact-Sheets aus Studien der KlimaforscherInnen des Netzwerks CCCA – Climate Change Centre AUSTRIA.

Glossar zum Thema Klimawandel: Von den Autoren des österreichischen Klimaberichts.